Sonntag, 8. Februar 2026

2026-02-07 Rechtfertigungen

Bis ich Gedanken und Gefühle mitteile, staue ich sie zunächst an, bis ich fast platze. Noch ist nicht sicher, weshalb ich nicht zeitnah über manche Dinge sprechen kann. Zum einen möchte ich nicht zur Last fallen. Ich möchte auch nicht herablassend behandelt werden, wenn ich Schwächen zugebe. Die Stimmung des Gegenüber will ich auch nicht vermiesen. Und dann wird es erst recht sehr emotional und unangenehm. Dann muss ich mich erst recht rechtfertigen. Diese Rechtfertigungen sind für Gegner und Feinde wie ein Geschenk. Für Mitfühlende ist es zusätzlich belastend. Also muss ich daran etwas ändern.

 

Dienstag, 3. Februar 2026

2026-02-03 Entscheidungen

Bisher habe ich über Tage hinweg an einem kleinen Text gefeilt. Ein Auge war immer bei meiner inneren Stimme, dem Kritiker. Das soll anders werden. Ich versuche so zu schreiben, wie es eben kommt, inklusive der Schreibfehler.

Mein Publikum beschränkt sich so oder so auf die Gruppe der Glitch Creators & Supporters (GlitchCS).

In meinem Text Händigkeit habe ich bereits angedeutet, dass ich in der Grundschule mehr oder weniger sanft gezwungen wurde, mit der falschen Schreibhand zu arbeiten. Ich war zudem belastet, weil erst zum Zeitpunkt der Einschulung eine starke Sehschwäche festgestellt wurde. Der Augenarzt meinte damals, ich solle immer wieder die Brille absetzen und Pause machen. Das war offensichtlich zu viel und ich wurde oft krank. Dadurch kam ich beim Gesundheitsamt auf den Schirm. Bis heute ist mir nicht klar, welche Informationen zu deren Entscheidung führten, dass ich 12 Stunden mit völlig Fremden in eine 6-wöchige Kur fahren soll. Für mich ging die Welt unter ohne Mama und Papa. Die ersten Tage war ich nur am heulen und meckern. Als man immer einen Brief nach Hause schreiben sollte, zwang man mich auch dort mit rechts zu schreiben. Ich entwickelte dort diese Todessehnsucht. Man glaubt es zerreißt einen, weil man gleichzeitig implodiert und explodiert. Es kommt einem nichts in den Sinn, was diese Schmerzen beendet. Im Kern ist das die Depression.

Was noch im Paket von damals war: zwar ausgestattet mit der Persönlichkeit des Einzelgängers habe ich panische Angst vor dem alleine sein. Schon kleine Abschiede sind der Horror. Wenn mich also Leute in virtuellen Gemeinschaften ausgrenzen, warum auch immer, dann trifft mich das um ein vielfaches stärker. 

Sonntag, 25. Januar 2026

Schreiben zur Selbsthilfe

Aus heutiger Sicht gab es im Wesentlichen zwei oder drei größere Hindernisse, die mich vom Schreiben abhielten. Zum einen meine Tendenz bei Überforderung in melancholische Stimmungen zu verfallen. Zudem der Knoten im Gehirn durch die Umschulung der Schreibhand. Und es kam nie zu einem Üben der notwendigen Fertigkeiten.

Vor 15 Jahren verschlechterte sich meine gesundheitliche Situation nochmals gewaltig, im Vergleich zu dem, was bis dahin war. Eine Unterbringung in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft schien notwendig. Im Rahmen eines Konflikts in der WG schrieb ich einen verärgerten Brief an eine Mitbewohnerin. Dieser Brief wurde offensichtlich im Betreuer Team besprochen. Der Zivi meinte angeblich in diesem Gespräch, ich solle doch versuchen ein Buch zu schreiben. Als mir meine Bezugsperson davon erzählte, brachte das einen verschollenen Wunsch zum Vorschein. Ich fand sehr schade, dass die Firefly Serie von Joss Whedon nicht fortgesetzt wurde. Diese beiden Dinge verbanden sich zu der Idee, ich müsse das übernehmen.
Die folgenden Jahre waren sehr stark von Krankheit geprägt. Da war nichts zu leisten und erschaffen.

Als Mutter 2018 starb, hinterließ sie eine große Lücke. Sie war der einzige Mensch in meinem Umfeld, der zumindest ansatzweise sehen und verstehen konnte, wer ich bin. Ironischerweise begann nun in kleinen Schritten meine Heilung. Vor allem meine lichten Momente nahmen deutlich zu.

Vor ca. zwei Jahren hatte ich Glück bei einer Web-Recherche. Ich entdeckte das Buch "Schreiben zur Selbsthilfe" von Dr. Birgit Schreiber.
Immer wieder lese ich darin und finde Inspiration. Und die Frau Schreiber macht Mut! Endlich beginne ich kleinere Texte und Tagebuch Varianten zu erstellen. Und manchmal blitzt beim Lesen der eigenen Inhalte die Selbstliebe auf.

Mathelücken aufarbeiten

Durch das Youtube-Projekt "Urknall, Weltall und das Leben" entdeckte ich die Themen der Astrophysik. In der Rubrik "von Aristoteles zur Stringtheorie" waren damals 30 bis 40 lange Videos. Das war beeindruckend. Die Euphorie bekam aber schnell einen Dämpfer, weil gute Mathe Kenntnisse notwendig sind.

Jetzt will ich mein chaotisches Schulleben nicht im Internet ausbreiten, aber ich war faul und ständig abgelenkt. Es war schändlich. Ab und zu hat mich ein Deutsch oder Mathematik Lehrer gewähren lassen. So konnte ich dann zwar das Abi machen. Aber es ist kein Fundament da, auf das interessante Themen aufbauen könnten.

Eine Überlegung ist jetzt, die Mathe Bücher von Klasse 5-10 durchzuarbeiten. Dann die Oberstufen-Themen. Das würde Jahre dauern. Ist das so aussichtslos wie es sich anfühlt? Vielleicht komme ich hin, wenn ich mich auf "Geometrie Klasse 9 und 10" fokussiere, um dann bei der höheren Mathematik stückweise dazuzulernen, was fehlt. Ich rechne fest damit, dass sich manche Leute jetzt schlapp lachen, weil ich so ehrlich mit meinen Schwächen und absurden Ideen umgehe. Das haben wir die letzten Jahre ausgiebig zelebriert. Für mich fühlt es sich dennoch deutlich besser an, als Arbeit zu simulieren. In meiner Situation gäbe es nur noch Keramik Gefäße oder Vogelhäuser in einer Werkstatt für Behinderte (WFB) herzustellen. Damit will ich das Konzept WFB kein bisschen abwerten. Meine Bedürfnisse passen einfach nicht dorthin.

Wenn Menschen meinen, es wäre unfair, dass ich theoretisch den ganzen Tag frei gestalten kann, während andere die sozialen Transfer-Leistungen mitbezahlen müssten, dann passt mir das Denkmuster nicht zu einer modernen Gesellschaft. Es war keiner bei mir, um meine psychischen Schmerzen und meine seelische Not mitzutragen und zu lindern. Das klingt auch nicht recht, oder? Man kann Lasten und Leid nicht verrechnen. Zudem sondiere ich Ideen, die dann in die Kategorie gemeinnützige Tätigkeit passen könnten.

späte Einsicht

Bildung hat im klassischen Sinn mit Erkenntnissen und persönlichem Wissen zu tun. Diese sollen in Übereinstimmung mit dem allgemein üblichen Weltbild der Gesellschaft sein. Wikipedia weiß hierzu deutlich mehr.

Worauf ich hinaus will ist der Umstand, dass Leute das Lesen vieler Bücher gleichsetzen mit guter Bildung. Für längere Texte oder gar ganze Bücher ist meine innere Unruhe ein bisher unlösbares Problem. Hinzu kommt, dass ich schnell den Fokus und die Motivation verliere. Ich wäre also dazu verdammt, ungebildet zu bleiben.

Gäbe es berechtigte Hoffnung auf eine bessere Bildung, die nicht nur auf Logik und Informationen beruht? Informationen rund um emotionale Intelligenz wären schon seit langem verfügbar.

liebende Güte

Zunächst wäre zu klären, was mit Maitri Bhava gemeint ist. Ich habe die liebende Güte als Youtube-Video eines Zen Meisters zum ersten Mal gesehen und gehört. Oft wird sie im Zusammenhang mit einer Meditationsübung genannt, als eine besondere, innere Haltung gegenüber sich selbst und der Umwelt. Als der Zen Meister Hinnerk Polenski mit knappen Worten zu beschreiben begann, was aus seiner Sicht wichtig zu wissen ist, da überkamen mich Tränen und zunächst fröstelte es mich. Das kam in drei Wellen zu mir. Danach war ich absolut klar bei Verstand und fühlte mich für kurze Zeit wie neu geboren. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Nun sind einige Monate der inneren Reifung vergangen. Im Internet bin ich angeblich jetzt schon zu offen und zu herzlich für den Geschmack der Leute. Sie verstehen möglicherweise nicht, wer ich bin, was ich durchlebt habe und wozu ich werden könnte. Vielleicht wollen sie einfach nur Feindseligkeiten verbreiten.

Sollte ich mich von meinen Lernzielen abbringen lassen?

Achtsamkeit als Werkzeug

Der Begriff der Achtsamkeit ist leider durch Marketing Aktivitäten der Leute so überstrapaziert worden, dass die meisten nur noch genervt sind.
Im Kern geht es aber um eine gute Sache. Im Grunde genommen will ich meine Haltung gegenüber mir selbst und der Umwelt so korrigieren, dass wir alle unseren Frieden finden. Schrittweise müssen dabei die negativen und positiven Bewertungen in meiner Wahrnehmung abgemildert oder vielleicht sogar ganz abgelegt werden. Das gelingt natürlicherweise besser, wenn man ihnen die Brisanz entzieht. Mit einer neuen Betrachtungsweise könnten sich vielleicht auch zum Teil unerwünschte Verhaltensweisen ändern. Schließlich könnte ich den Stressfaktoren zu Leibe rücken.

Es ist allerdings nicht alles Gold was glänzt. Veränderung braucht Zeit und regelmäßiges Üben. Je nachdem wie man in der Zeit vorher gelebt hat, kann es eine verdammt harte Nuss sein, die Neigung zum bewerten umzukehren in wertfreie Beobachtungen.

Achtsamkeit kann ein wertvoller Schlüssel zu mehr Lebensqualität sein.

Händigkeit

Nach ein paar Wochen in der ersten Klasse der Grundschule sprach meine Lehrerin mit meinen Eltern. Sie sagte ihnen, dass ich das einzige Kind sei, welches eine Umschulung vom Links- zum Rechtsschreiben schaffen könne. Und sie sagte, dass das große Vorteile haben würde. Die meisten Eltern wären ebenfalls ziemlich stolz gewesen. Ich habe mich damals versucht zu wehren so gut es eben ging als Kind. Später hatte das Primär- und Sekundärfolgen, die Frau Dr. Sattler in ihrem Buch "der umgeschulte Linkshänder - der Knoten im Gehirn" beschreibt.

Meine komplette Schulzeit war ein einziger Kampf.

Im Alter von 50 beginne ich nun damit, zu lernen wie man lernt. Noch kann ich mit herkömmlicher Sprache nicht erklären, was diesen Knoten im Gehirn ausmacht. Er spielt meiner Meinung nach eine Rolle bei einer Art "Switching". In der BDSM Szene benutzt man diesen Begriff als Bezeichnung für jemanden, der nicht eindeutig Sadist und nicht eindeutig Masochist ist. Für mich bedeutet das, dass ich ständig anstoße, weil ich in Opposition gehe von den Leuten. Mitmenschen haben große Schwierigkeiten mich als Person zu verstehen. Mal wirke ich zu sachlich und dann wieder zu emotional. Meine Grenzen verschwimmen.

Inzwischen versuche ich diese Themen zu erforschen. Sie müssen dabei nicht helfen. Ein freundliches Wort hier und da wäre mir viel wert.

Freundlichkeit

Meine Grundhaltung ist freundlich zu einer Person zu sein. Das war eines der ersten Dinge, die ich verinnerlicht habe. Nun reagieren Mitmenschen auf einen Mann der Freundlichkeit ausstrahlt anders. Eine Frau darf das ohne besondere Rolle schon eher. Mutter wollte mir das nie zugestehen.
Nach fast einem halben Jahrhundert der Lebens- und Leidenszeit verstehe ich die Hintergründe besser. Ich denke, ich kann weiter freundlich aber leiser sein.

Ich gebe nicht nur viel Freundlichkeit, sondern ich fordere sie auch ein. Dabei erwarte ich keine Romantik, Sexualität oder Freundschaft. Oft wünsche ich mir nur eine Art Nichtangriffspakt.

Träume

Viele Träume verschwinden bei näherer Betrachtung. Das soziale Umfeld und die Chemie der Leute muss ebenfalls passen für eine Erfüllbarkeit. In meinem Fall war ein inniger Wunsch, ein angesehener Informatiker zu sein. Das mag für die meisten Leserinnen und Leser trivial klingen. Doch ich blieb auf dem Gymnasium, entgegen dem Rat der meisten Lehrer. Ich wollte unbedingt die Zulassung für ein Informatik-Studium bekommen. Das hat mich aber total überfordert.

Erst nach dem Wehrdienst gab es ein erstes, kritisches Hinterfragen meiner Absichten. Doch damals war ich mitten in einer Depression. Ich dachte, ich muss meine ganzen Suchtstrukturen aufarbeiten und offenlegen. Ich dachte, ich muss gegen mich kämpfen. Von einem Studium war ich sehr weit entfernt.

Erst 30 Jahre später wird es langsam heller. Ich sehe, dass der eigentliche Wunsch mit Informatik nichts zu tun hat. Ich wollte so werden wie der Bekannte meines Vaters. Er ist einer der wenigen Menschen, die bei Vater hoch angesehen sind. Und so wie ich bin, so ist es eben nicht genug.

Vielleicht kann ich etwas über Astrophysik lernen. Möglicherweise steht in den Sternen, wie viel Zeit mir noch bleibt, um den Kurs meines chaotischen Lebens zu korrigieren.

Seit dem ersten Veröffentlichen dieser für mich neuen Gedanken habe ich beobachtet, dass mein Wunsch Informatiker zu werden eher noch stärker geworden ist. Im Moment herrscht wieder Verwirrung und mildes Chaos.